Oxytocin: Was ist das genau und wie wirkt es?

Oxytocin - mehr als ein Kuschelhormon

Oxytocin
Der Oxytocingehalt im Blut steigt beim Kuscheln mit Hunden (Bild: Pezibaer – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Oftmals hören wir in den Medien vom Hormon und Neurotransmitter Oxytocin. Doch was genau dieser Botenstoff in unserem Körper bewirkt, wissen die wenigsten Menschen. Wir haben für Sie in diesem Artikel die interessantesten Fragen rund um das sogenannte „Kuschelhormon“ geklärt.

Oxytocin – was ist das genau?

Der Name dieser Substanz kommt aus dem Griechischen „okys tokos“. Das bedeutet in etwa so viel wie „schnelle Geburt“ oder auch „leicht gebärend“. Bei diesem Hormon aus der Gruppe der Proteohormone handelt es sich um einen biochemischen Botenstoff, der grundlegend das soziale Verhalten zweier Menschen zueinander beeinflusst. So sorgt er zum Beispiel für eine innigere Beziehung zwischen zwei Liebenden oder auch für eine stärkere Verbundenheit zwischen Mutter und Neugeborenem.

Wodurch entsteht Oxytocin?

Erstmalig nachgewiesen wurde Oxytocin im Jahre 1906 von Henry H. Dale, einem britischen Physiologen und Biochemiker. Produziert wird das Hormon im Hypothalamus, dem Hypophysenhinterlappen, der Plazenta sowie den Eihäuten. Letzteres geschieht vermehrt, wenn sich die Schwangerschaft dem Ende neigt. Ausgeschüttet wird der Neurotransmitter beispielsweise vermehrt, wenn sich die Mutter im Geburtsvorgang befindet, weswegen es im Volksmund oft als „Wehenhormon“ bezeichnet wird, oder sie ihren Säugling stillt (daher: „Stillhormon“).

Oxytocin
Der Botenstoff wird auch „Stillhormon“ genannt (Bild: seeseehundhund – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Doch auch bei schreienden Babys wird Oxytocin ausgeschüttet – dieses Phänomen ist sogar so weit ausgeprägt, dass bei stillenden Müttern das ebenfalls sogenannte „Stillhormon“ nicht nur ausgeschüttet wird, sobald sie den eigenen Säugling weinen hören, sondern auch, wenn ein fremdes Baby in der näheren Umgebung weint. Auch wird das Hormon ausgeschüttet, sobald eine Mutter an ihr eigenes Baby denkt. Doch auch Babys produzieren bereits den Botenstoff. Besonders nach dem Stillen wird der Neurotransmitter produziert.

Oxytocin – auch als „Bindungs- oder Liebeshormon“ bezeichnet

Andere Situationen, in denen das Hormon besonders stark ausgeschüttet wird, sind beispielsweise der Geschlechtsverkehr und hier ganz besonders der Moment, in dem es zum Orgasmus kommt. Dies ist der Grund, weswegen Oxytocin auch als „Bindungshormon“ oder „Liebeshormon“ bezeichnet wird. Auch wird es, ausgehend von der Bezeichnung als Kuschelhormon, auch bei zärtlichen Berührungen, wie einer Umarmung, einer Massage oder dem Streicheln produziert.

Was bewirkt Oxytocin im Körper?

Sobald das Kuschelhormon im Körper ausgeschüttet wird, werden gleichzeitig die sogenannten körpereigenen Opiate, Encephaline und Endorphine freigesetzt, die eine schmerzstillende Wirkung auf unser Empfinden haben. Die Mixtur der genannten Hormone sorgt dafür, dass die betroffene Person eine Mischung aus Wohlbefinden, Befriedigung und Euphorie verspürt. Dieser Hormoncocktail hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Beziehung, die zwischen zwei Menschen entsteht.

Oxytocin
Das Hormon stärkt die Bindungsfähigkeit (Bild: Pexels – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Zusätzlich wird das Vertrauen ineinander gestärkt, sowie die soziale und emotionale Kompetenz und die Bindungsfähigkeit verbessert. Des Weiteren stärkt das Hormon die gegenseitige, für einander empfundene Liebe, sowie die Treue nachhaltig. Nachdem es nach dem Sex zur Ausschüttung des Hormons kommt, wird ebenfalls die Verbundenheit der beide Sexualpartner zueinander gestärkt. Fremden gegenüber fördert Oxytocin zudem die Vertrauensseligkeit, sowie die Empathie und mindert die Aggressivität.

Oxytocin stärkt auch die Bindung zwischen Mensch und Hund

Doch wie die Wissenschaft herausfand, steigt nicht nur der Oxytocingehalt im Blut zweier Menschen, sobald diese ihre Zweisamkeit ausleben, sondern beispielsweise auch zwischen Mensch und Hund hält dieses Phänomen Einzug, wenn sie miteinander kuscheln oder spielen. Dadurch wird die Bindung zwischen Herrchen, Frauchen und Hund deutlich gestärkt.

Welche positiven Auswirkungen hat Oxytocin auf die Gesundheit?

Eine wichtige Funktion des „Kuschelhormons“ ist die Stressregulierung. Die Konzentration des Stresshormons Cortisol wird durch den Botenstoff gesenkt, was eine angstlösende und beruhigende Wirkung auf den Organismus hat. Dadurch ist zu erklären, dass sich Gebärende trotz Schmerzen während der Geburt, in den Wehenpausen wieder entspannen können. Teilweise sind sogar zärtliche Gefühle auf die Ausschüttung des Hormons zurückzuführen.

Oxytocin wird in der Geburtshilfe unterstützend eingesetzt

Zudem wird es bereits seit längerer Zeit in der Geburtshilfe verwendet. So kommt es beispielsweise zum Einsatz, wenn die Geburt eingeleitet werden soll oder die Wehen verstärkt werden müssen. Doch auch nach der Geburt wird Oxytocin häufig eingesetzt, um den Körper der Gebärenden zu unterstützen, beispielsweise beim Zusammenziehen der Gebärmutter, bei der Ausscheidung der Plazenta als Nachgeburt oder bei starken Nachblutungen. Zusätzlich wird das Hormon verabreicht, um den Milchfluss zu fördern, sofern die Mutter Probleme beim Stillen haben.

Forscher haben im Gehirn ein „Schmerz-Kontrollzentrum“ identifiziert. Wer wissen möchte, was das „Kuschelhormon“ damit zu tun hat, findet dazu mehr Informationen in der Ärzte-Zeitung.

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