Neuanfang – es ist nie zu spät für Veränderung

Mahatma Gandhi: "Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst"

Neuanfang
Jeder Sonnenaufgang ist ein Neuanfang (Bild: brizzy5000 - Pixabay.com - CC0 Public Domain)

Es gibt immer wieder Situationen im Leben eines Menschen, in denen das Bedürfnis oder die Notwendigkeit nach einem Neuanfang aufkommt. Dieser Fall tritt häufig nach einer schwierigen Phase oder einem Schicksalsschlag ein. Vielleicht haben Sie auch schon eine solche Situation erlebt?

Die Sehnsucht nach Veränderung

Ein Neuanfang soll den Weg in eine bessere Zukunft ebnen. Oftmals erfordert dieses Vorhaben eine große Anstrengung: Altlasten oder Schulden sollen über Bord geworfen werden. Gleichzeitig haben viele Menschen Angst vor Veränderungen. Das Alte kennt man immerhin, das Neue ist unbekannt und birgt Risiken; die Chancen sind manchmal erst später zu erkennen. Es braucht oftmals ein ganz spezielles Ereignis oder einen persönlichen Ruck, um einen Richtungswechsel anzustoßen.

Der Wunsch nach einem Neuanfang kommt bei Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht vor, aber natürlich haben lange nicht alle Menschen die Kreativität, die Mittel oder den langen Atem, der erforderlich ist, um die Absicht dann auch umzusetzen.

Lebensziele und Erkenntnisse

Lebensziele

Viele Menschen verbringen ihr Leben ohne festen Plan, ohne definierte Ziele. Die Entwicklung nimmt in diesem Fall einen mehr oder weniger zufälligen Verlauf: es kommt, wie es kommen muss. Diese fatalistische Einstellung kann der eigenen Weltanschauung geschuldet sein oder dem Glauben an höhere Macht.

Aber es gibt auch Menschen, die das Heft selber in die Hand nehmen und ihr Leben längerfristig planen, die konsequent an Zielen arbeiten und daran festhalten. Manchmal sind diese längerfristigen Vorhaben nur auf Umwegen zu erreichen und es müssen unterwegs auch taktische Kompromisse für einen Neuanfang eingegangen werden. Selbstmotivation spielt eine wichtige Rolle.

Neuanfang
Manchmal kommt man nur auf Umwegen zum Ziel (Bild: Loggawiggler – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Erkenntnisse

Wie Sie wissen, ist Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung. Entsprechend muss der Anstoß zur Veränderung und zum Neuanfang vom eigenen Ich getroffen werden. Was möchte ich ändern und auf was möchte ich nicht verzichten? Was gibt mir Freude und Befriedigung? Häufig braucht es dazu auch moralische oder praktische Unterstützung von dritter Seite.

Dies gilt insbesondere bei Kindern oder alten Personen, die selber noch nicht oder schon nicht mehr in der Lage sind, autonom zu entscheiden und zu handeln. Ebenso Unterstützung brauchen aber auch Labile und Kranke. Ein Neuanfang erfordert viel Kraft und Willensstärke, was lange nicht allen Menschen gegeben ist.

Die Schuldfrage

Der Grund für einen Neuanfang sollte nüchtern analysiert werden, ebenso die Lehren und realen Möglichkeiten für die Zukunft. Es soll hinterfragt werden, wieso eine Beziehung nicht mehr gehalten hat oder wieso eine Arbeitsstelle verloren ging. Vielleicht – oder wahrscheinlich – wurden selber auch Fehler gemacht, eine einseitige Schuldzuweisung ändert nichts an den Fakten. Es gilt, möglichst objektiv zu sein und zu bleiben, ohne sich dabei zu quälen. Die Fragestellung ist doch: Wie präsentiert sich die Situation von außen und was würde ich selber einer anderen Person in einer ähnlichen Lage raten?

Neubeginn im Kollektiv

Von einem Neuanfang können aber nicht nur einzelne Personen betroffen sein, sondern auch Gruppen oder Firmen. Etwa ein Fußball Club, der nach einer schlechten Saison einen Neustart unter einem unbelasteten Trainer versucht oder eine Firma, die sich wegen Absatzproblemen nur noch auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren will. Auch Staaten können von einem Neuanfang und Wiederaufbau betroffen sein, so wie die Länder Europas nach den verheerenden Folgen des Krieges. Glaube und Hoffnung an eine bessere Zukunft mobilisieren auch Kräfte im großen Maßstab.

Es ist nie zu spät

Gibt es das perfekte Timing für einen Neuanfang?
Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden, zu viele individuelle Variablen spielen eine Rolle. Eine Situation für einen Neuanfang kann gegeben sein nach:

  • dem Ende einer Ehe oder Liebesbeziehung,
  • einer Fehlgeburt und dem Verlust eines nahestehenden Menschen,
  • einer schweren Krankheit oder Operation,
  • einer persönlichen Sinnkrise, oftmals in der Lebensmitte,
  • einem Jahr, das von Problemen geprägt war,
  • einem Stellenverlust und Arbeitslosigkeit,
  • einer Straftat oder Haftverbüßung.

Es gibt aber auch Situationen, in denen der Neuanfang durch positive Ereignisse angestoßen wird, wie das gemeinsame Leben zu zweit oder ein unerwarteter Geldsegen. Logischerweise verläuft eine Neuausrichtung unter solchen Prämissen und Emotionen ganz anders. Auch der Antritt des beruflichen Ruhestandes kann einen günstigen Neubeginn auslösen – sofern die Rente stimmt und keine Entzugserscheinungen bestehen.

Neuanfang
Neue Perspektiven schaffen (Bild: Unsplash – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Die Angst vor dem Verlust

Viele Schicksalsgeplagte können nicht loslassen, die Gründe sind oft unterschiedlicher Natur. Wenn Menschen vor einem Neuanfang stehen oder einen solchen planen, befinden sie sich in einer aufwühlenden Phase oder sogar in einem Gefühlschaos. Der Neubeginn soll wieder Ordnung und Perspektive schaffen. Das Ausleben von Gefühlen ist – neben der Idee des Neuen – ein wichtiger Vorgang für die Psychohygiene. Dabei gilt es zu vermeiden, dass man in ein schwarzes Loch fällt, sonst drohen Depression und Hoffnungslosigkeit.

Falls Sie eine betroffene Person kennen, hilft vielleicht ein Hinweis auf die Natur, welche jedes Jahr wieder einen Neuanfang erlebt: Nach jedem Winter kommt ein Frühling.

Wie kann ein Neuanfang aussehen?

Der Mensch muss in sich hinein horchen und sollte dabei sowohl auf Herz und Verstand hören. Erst danach kann ein Plan für einen Neuanfang auch umgesetzt werden. Dabei sollte etappenweise vorgegangen werden, schließlich beginnt jede große Reise mit einem kleinen Schritt. Die Lage dürfte eher noch schwieriger werden, wenn man das gesamte Leben auf einen Schlag umkrempeln will. Jeder Mensch braucht Fixpunkte und Rituale, gerade in einer Ausnahmesituation.

Anders gesagt: Wozu den ganzen Motor auswechseln, wenn das Drehen an einer Stellschraube schon viel positives bewirken kann. Träume und Visionen können helfen, allerdings gilt es realistisch zu bleiben und sich keinen falschen Illusionen hinzugeben.

Gibt es Unterstützung?

Was oder wer kann bei einem Neustart helfen?

In einer Umbruchphase ist es wichtig, verständnisvolle Mitmenschen um sich zu haben, mit denen man seine Sorgen, Wünsche und Vorstellungen besprechen kann. Der moralische Support für einen Neuanfang kann nicht unterschätzt werden. Beim Fehlen einer Unterstützung aus dem Bekanntenkreis steht beipielsweise auch die Telefonseelsorge als neutrale und verschwiegene Anlaufstelle rund um die Uhr zur Verfügung. Die Bewältigung herausragender Ereignisse und Erlebnisse lässt sich im Gespräch einfacher angehen und umsetzen, als alleine über Probleme und Lösungen zu grübeln. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende: diese simple Erkenntnis kann auch viel bewegen.

Was will ich erreichen?

Es ist wichtig, sich über die eigenen Gefühle und Wünsche im Klaren zu sein oder zu werden. Bei einem Neuanfang hilft es, konkrete Ziele zu setzen und diese – innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen – in Meilensteine aufzuteilen. Beim Aufbau einer Lebensphase mit einer neuen Beziehung oder Karriere kann zeitlicher Abstand sinnvoll sein, ebenfalls kann ein Ortswechsel helfen.

Die großen Vorhaben brauchen Zeit für die die Reifung und Umsetzung. Um die Wunschvorstellung zu erreichen, können auch Gedankenexperimente helfen: Wie möchte ich in 20, 30 oder mehr Jahren auf das Leben zurückblicken können? Was ist mir wichtig, macht mich glücklich und gehört unbedingt dazu?

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Auf Distanz sieht alles anders aus (Bild: skeeze – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

In der Ruhe liegt die Kraft

Falls möglich kann auch eine Auszeit gute Dienste leisten, um sich auf einen Neuanfang vorzubereiten. Eine Zäsur lässt sich leichter bewältigen und verstehen, wenn genügend Distanz zur Verfügung steht. Es soll zuerst einmal richtig durchgeatmet und neue Kraft getankt werden, bevor Neuland betreten wird. Man sollte sich selber auch Gutes tun, um Energie und Zuversicht aufzubauen.

Abhängig von Vorlieben und Möglichkeiten können dies auch kleine Sachen sein, von Einkaufen und Sport treiben bis hin zum Besuch von Film, Theater oder Restaurant. Auch wenn dies alleine noch nichts bewegt, ist es doch Balsam für die Seele. Was auch immer kommen wird, das Leben geht weiter – für einen Neuanfang ist es nie zu spät.

Um es mit den Worten Gandhis zu sagen: Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst.

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