Heuschnupfen: Warum bekommt man Heuschnupfen? – Was hilft dagegen?

Wie geht man am besten mit der Allergie um? Tipps und Infos

Zeckenstich
(Bild: cenczi – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Endlich ist er da, der Frühling. Es gibt wieder Wärme, Licht und Sonnenschein. Die Vögel zwitschern und die Flora sprießt und blüht. Alle sind glücklich! Wirklich alle? Nein, nicht wirklich! Rund 16 Prozent aller Deutschen leiden im Frühling unter Augentränen, Fließschnupfen, Nasenverstopfung, Juckreiz, oder etwa auch Asthma bronchiale. Besonders der allergische Schnupfen, oder volkstümlich Heuschnupfen, ärgert Betroffene, sobald Pollen mit ihren Schleimhäuten in Berührung kommen.

Was versteht man unter Heuschnupfen?

Die Begriffe Heuschnupfen, allergische Rhinitis, oder auch Pollinose, kennzeichnen eine der häufigsten Unverträglichkeiten auf Blütenstaub von Blumen, Gräsern, Sträuchern, Bäumen sowie von Getreide und Kräutern. Sozusagen per Luftpost, in Pollenkörnern verpackt, schicken Windbestäuber ihre männlichen Keimzellen zu ihren weiblichen Gegenstücken. Leidet man unter Heuschnupfen, kommt es durch das Einatmen pollenreicher Luft zur Reizung von Schleimhäuten, insbesondere der Nase, der Augen und den Bronchien.

Welche Symptome sind für Heuschnupfen typisch?

Patienten mit einer Pollenallergie reagieren überempfindlich auf die aus den Pollen freigesetzten Substanzen (Allergene) und bilden Abwehrstoffe (Antikörper). Das jedoch ist völlig unnötig, da die Mikrosporen keine Gefahr für den menschlichen Körper darstellen. Treffen Allergene mit den entsprechenden Antikörpern zusammen, beginnt die Nase zu laufen und die Augen zu tränen. Der Betroffene muss meist heftig niesen. Im weiteren Verlauf kann es zur Verengung der Atemwege, und gegebenenfalls auch Atemstörungen zu kommen.

Heuschnupfen
Eine ständig laufende Nase ist nur ein Symptom (Bild: PublicDomainPicture – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Die Hauptsymptome sind:

Im Bereich der Nase:
  • Niesen
  • laufende Nase
  • verstopfte Nase
Im Bereich der Augen:
  • Schwellungen
  • Tränen
  • Jucken
Im Bereich der Bronchien:
  • Husten
  • Atemnot
Die genannten Beschwerden führen meist zu:

Was zur Folge hat, dass der Allgemeinzustand beeinträchtigt wird und der Betroffene sich abgeschlagen und krank fühlt. Weitere Symptome können Juckreiz am ganzen Körper und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen sein.

Heuschnupfen
Betroffene fühlen sich oft abgeschlagen und krank (Bild: Unsplash – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Ursachen von Heuschnupfen

Einfach gesagt ist die Ursache von Heuschnupfen eine Fehlreaktion des menschlichen Abwehrsystem auf bestimmte Eiweiße des normalerweise gefahrlosen Blütenstaubes. Der Grundstein für eine Erkrankung wird bei dem ‚Erstkontakt‘ mit einem Allergen gelegt. Beim Heuschnupfen reagiert der Körper auf den Pollenkontakt mit einer Sensibilisierung.

Das Immunsystem reagiert irrtümlicherweise

Dabei erkennt das Immunsystem irrtümlicherweise die Pollen als Krankheitserreger. Beim Erstkontakt treten noch keinerlei Symptome auf. Eine Abwehrzelle nimmt das Allergen auf, die Lymphozyten (adaptives Immunsystem) identifizieren das Allergen als Gefahr und lösen eine Produktion von Antikörpern, Immunglobulin E (IgE), aus.

Immunglobulin E besaß ursprünglich die Aufgabe, Parasiten wie Würmer oder Amöben zu erkennen und abzuwehren. Durch unsere guten Hygieneverhältnisse ‚langweilen‘ sich die Kameraden offenbar und schaffen sich ein neues Feindbild zum Beispiel in Form von Pollen. Mit dieser Theorie lässt sich erklären, dass Landkinder (Die Kuhstall-Studie) weniger Allergien ausbilden, als Stadtkinder und, dass in Entwicklungsländern Allergien kaum auftreten.

Die Antikörper sind in Alarmbereitschaft

Beim zweiten Zusammentreffen der Allergene mit dem Organismus, liegen die Antikörper schon auf der Lauer. Sie regen die Mastzellen dazu an, Entzündungsstoffe wie Histamin freizusetzen. Dadurch entstehen die typischen Heuschnupfbeschwerden. Je nachdem gegen welche Pollen man besonders allergisch ist, kommt es zu einer mehr oder minder heftigen Reaktion. Die Schleimhäute werden aktiviert, um den vermeintlichen Gefahrenstoff aus dem Körper zu spülen.

Auslöser von Heuschnupfen

Häufige Allergieauslöser sind Birken-, Erlen-, Hasel- und Gräserpollen. Die saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen), tritt vermehrt vom Frühling bis Herbst auf. Besonders vom März bis Juni haben die meisten Pflanzen ihre Hauptblütezeit. Allerdings hat sich durch den Klimawandel die Pollenflugzeit in unseren Breiten verändert. Je nach Wetterlage dauert sie im Sommer/Herbst länger und beginnt im Frühjahr eher.

Heuschnupfen
Die Pollenflugzeit beginnt im Frühjahr (Bild: maialisa – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Während die späten Gras- und Kräutersorten ihre letzten Pollen im November noch auf die Reise schicken, stehen die frühen Haselnusspollen in milden Wintern bereits im Dezember schon in den Startlöchern. Eine gute übersicht gibt hier der Pollenflugkalender. Aktuelle Informationen zum Pollenflug-Gefahrenindex finden Sie auf der offiziellen Seite vom DWD – Deutschen Wetterdienst.

Jugendliche und Heuschnupfen

Betroffene Kinder und Jugendliche fühlen sich gegenüber ihren gesunden Altersgenossen oft benachteiligt. Freizeitaktivitäten unter freiem Himmel werden meist ganz eingestellt; viele wähnen sich isoliert. Junge Heranwachsende sind in der schlimmsten Phase des Heuschnupfens nicht mehr richtig leistungsfähig und bekommen dadurch in Schule und Ausbildung Probleme.

Aus einer Pollenallergie kann sich Asthma entwickeln

Nicht selten entwickelt sich aus einer kleinen Pollenallergie ein ernstes allergisches Asthma. Deshalb sollte man sein Kind bei aufkommenden Symptomen beim Arzt vorstellen und den Verlauf beobachten lassen.

Kann Heuschnupfen auch plötzlich noch im Alter auftreten?

Für viele Leute mittleren Alters kommt eine Allergie völlig überraschend. Jahrzehnte hatte man kein Problem mit Allergien; doch plötzlich läuft die Nase und die Niesanfälle kommen immer öfter. In Deutschland leidet circa ein Drittel der Bevölkerung an einer Allergie. Stress kann Allergien, wie Heuschnupfen, begünstigen. Bestimmte Immunprozesse verstärken sich bei Stress, sodass das Abwehrsystem durcheinander kommt und den ‚allgemeinen Verteidigungszustand‘ ausruft, das schließt u.a. harmlose Pollen ein.

Bei Senioren werden Allergien oft falsch gedeutet

Psychische Belastungen zeigt der Körper mitunter auch durch allergische Reaktionen. Er hat buchstäblich die Nase voll oder ihm kommen schlicht und einfach die Tränen. Das erklärt, warum selbst ältere Menschen noch eine Allergie entwickeln. Tritt bei Senioren erstmalig ein Heuschnupfen auf, diagnostiziert der Hausarzt eine verschnupfte Nase gelegentlich als Alterserscheinung, da die Nasenschleimhaut im Alter trockener ist, als bei jungen Menschen. Ist man sich unschlüssig, sollte man eine Zweitmeinung einholen.

Wie geht man am besten mit der ‚Heuschnupfen – Allergie‘ um?

Wenn die Symptome einer Allergie auftreten, ist es wichtig festzustellen, ob und gegen was man allergisch ist. Einen Allergietest kann man beim Hautarzt, beim HNO-Arzt beziehungsweise beim Dermatologen machen lassen. Der Pollenflugkalender gibt dann die wichtigen Hinweise, wann man mit Beschwerden rechnen kann. Hat man ein Heuschnupfenkind im Haushalt, verbringt man viel Zeit und Energie damit, die eigenen vier Wände in eine pollenfreie Zone zu verwandeln.

Heuschnupfen
Regelmäßig und gründlich putzen ist unabdingbar (Bild: jarmoluk – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Erwachsene sind für sich selbst eher nicht so sorgfältig. Vor allem Männer leiden lieber heldenhaft, ehe sie täglich die Wohnräume saugen beziehungsweise den Fußboden wischen. Aber genau das sollten Betroffene tun, denn der gestresste Organismus ist dankbar für jede Erholungsphase. Vielleicht kann da ein selbstfahrender Staubsauger motivieren. Bestimmte Modelle bieten Spezialfilter an.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gegen Heuschnupfen gibt es?

Die Diagnose erfolgt mittels Allergietest. Dabei wird die Haut angeritzt, mit verschiedenen Allergenen benetzt und nach einer festgelegten Einwirkzeit abgelesen, worauf der Körper allergisch reagiert. Aber auch durch Blutanalyse, speziell bei kleinen Kindern oder gewissen Risikogruppen, können Auslöser bestimmt werden.

Die Behandlung des Heuschnupfens beruht auf drei Phasen:

  • Vermeidung des Allergens
  • Medikamentöse Unterdrückung der Symptome
  • Langfristigen Ausschaltung der Immunreaktion auf Pollen
Heuschnupfen
Eine blühende Wiese, nicht für jeden eine Freude (Bild: meineresterampe – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Technische Maßnahmen:

  • Pollengitter anbringen. Das feine Pollenschutz-Gewebe, das man am Fenster anbringen kann, filtert über 80 Prozent der Pollen aus der Luft und wird einfach mit selbstklebendem Befestigungsband angebracht
  • Problempflanzen (wie zum Beispiel Birke), wenn möglich, aus dem unmittelbaren Wohn- und Arbeitsbereich entfernen
  • Allergiker Staubsauger mit komplett versiegeltem Gehäuse kaufen
  • Pollenfilter für Staubsauger nutzen. Pollenfilter reinigen bereits die Ausblasluft, indem sogar kleinste Partikel herausgefiltert werden
  • Pollenfilter für die Autolüftung einbauen, beim Autofahren Fenster geschlossen halten
  • Elektrischen Luftionisierer/-reiniger aufstellen. So ein Gerät sieht aus wie ein normaler
    Lüfter, befreit aber die Luft von Pollen und Bakterien. Die aus dem Gerät strömenden Sauerstoff-Ionen ziehen positiv geladene Schadstoffe wie ein Magnet in das Gerät, wo sie an den Lamellen beziehungsweise im Filter haften bleiben
  • Spezielle Tücher zum Wischen nutzen. Diese können Staub und Pollen elektrostatisch festhalten
  • Nutzen von Atemmasken in Risikozeiten beziehungsweise Problembereichen
Heuschnupfen
Die Fenster sollten zur Pollenflugzeit geschlossen bleiben (Bild: Pexels – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Taktische Maßnahmen:

  • Nachmittags beziehungsweise abends Lüften
  • Vor dem Schlafengehen regelmäßig duschen und Haare waschen
  • Wäsche im Wäschetrockner trocknen, nicht im Freien
  • Filterwechsel von technischen Geräten öfter durchführen und einem Familienmitglied
    überlassen
  • Kleidung im Badezimmer, nicht im Schlafzimmer, wechseln und im Plastikbeutel verschließen beziehungsweise gleich waschen
  • Weder aktiv, noch passiv rauchen
  • Pollenflugkalender und Pollenvorhersage ständig studieren
  • Sport und Freiluftaktivitäten auf ’nach dem Regen‘ verschieben
  • Urlaub während der Pollensaison nehmen und in ein pollenfreies Gebiet fahren. Zum Beispiel auf eine Insel, ans Meer oder ins Hochgebirge
Heuschnupfen
Die Hochseeinsel Helgoland – eine pollenfreie Zone (Bild: wolfgang_vogt – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Medizinische Maßnahmen (sollten immer vom Arzt begleitet sein):

  • Antihistaminika sorgen dafür, dass der Botenstoff Histamin, der für die Symptome der Allergie sorgt, gelähmt wird
  • Glukokortikoide (Cortison) unterdrücken die unerwünschte Reaktion des Immunsystems. Aber Vorsicht, langfristig können sie das Immunsystem schädigen und so anderen Infekten den Weg bereiten
  • Impfungen, bei denen der allergieauslösende Stoff in langsam steigenden Mengen gespritzt wird. Diese sogenannte Hyposensibilisierung schwächt die Symptome und kann evtl. andere Allergien verhindern
  • Entspannungstechniken, wie Yoga, Muskelrelaxation oder autogenes Training haben sich als Unterstützungsmaßnahmen gut bewährt
  • Eine Psychotherapie hilft ebenfalls, wenn Stress, Ängste beziehungsweise andere seelische Probleme zu allergischen Beschwerden führen

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Immunsystem wieder zu desensibilisieren. Eine solche spezifische Immuntherapie verfolgt eine dauerhafte Unempfindlichkeit gegen den Allergieauslöser. Das erfordert eine genaue Diagnose und einen frühzeitigen Behandlungsbeginn.

Kann Heuschnupfen auch plötzlich wieder verschwinden?

Die bereits erwähnten Immunglobuline E, sind Eiweiße, die körperfremde Stoffe abwehren. Sie können Fremdstoffe erkennen, zuordnen und sie gezielt vernichten. Das Immunglobulin E verbleibt nachhaltig im Organismus, weshalb es unwahrscheinlich erscheint, dass Heuschnupfen überraschend wieder vergeht. Dennoch – es gibt mehrere Tatsachenberichte von ehemaligen Betroffenen, bei denen der Heuschnupfen einfach so verschwunden ist.

Heuschnupfen
Heuschnupfen kann auch wieder verschwinden (Bild: alfcermed – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Meist durch:

  • Ortswechsel
  • Geburt eines Kindes
  • Operationen
  • Alte Hausmittel (zum Beispiel tägliches Trinken von Brennnesseltee)
  • Ernährungsumstellung
  • radikale Lebensumstellung

Diese Erfahrungen sind jedoch sehr individuell. Hier wird vermutet, dass die Allergie mehrere Ursachen hat und ein verstärkender Faktor oder Katalysator entfallen ist. Dabei spielt der seelische Zustand eine große Rolle. Daher lassen sich diese Einzelfälle nicht verallgemeinern.

Fazit

Ein Heuschnupfen ist, wie jede Allergie, eine sehr individuelle Angelegenheit. Eine Allergie ist eigentlich eine Fehlsteuerung des Körpers. Das geschieht vermutlich, weil bestimmte Bestandteile des Immunsystems sich in der hygienischen Welt des 21. Jahrhunderts langweilen und zuweilen völlig unschädliche Einflüsse plötzlich bekämpfen.

Treten allergische Symptome auf, sollte man zuerst den Auslöser
  • Erkennen
  • Vermeiden
  • Seine Symptome behandeln, um sie abzuschwächen sowie versuchen die Immunreaktion auszuschalten

Da die Antikörper gezielt produziert werden und die Falschinformation langfristig gespeichert ist, ist die Wahrscheinlichkeit, den Heuschnupfen schlagartig zu verlieren eher gering. Allerdings können die Auslöser beziehungsweise Auslöser-Kombinationen so vielschichtig sein, dass bei Wegfall eines Auslösers, der Heuschnupfen wirklich von heute auf morgen verschwindet.

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1 Kommentar

  1. Ein intelligenter Beitrag zum Thema Heuschnupfen! Als vom Heuschnupfen Geplagte, gibt es für mich jedes Jahr nur eine Lösung, Urlaub zur Pollenflugzeit des Allergieauslösers und ab nach Noderney. Vier Wochen auf der Insel und ich überstehe die für ich gefährliche Zeit ohne größere Probleme. Ein Jahr konnte ich mir zeitlich diese Auszeit in pollenfreier Zone nicht nehmen und es war echt die Hölle, mit asthmatischen Änfällen usw. Daher kann ich aus persönlicher Erfahrung nur raten, wer es sich leisten kann, am besten zur Pollenflugzeit ins pollenfreier Gebiet reisen, dann übersteht man den Rest der Zeit besser. Meine herzlichen Grüße an alle Leidengenossen!

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