Fettstoffwechselstörungen: Infos und Tipps

Ursachen erkennen und Risiken vermeiden

Fettstoffwechselstörungen
Zu viele Blutfette im Blut sind nicht selten (Bild: geralt - Pixabay.com - CC0 Public Domain)

Fettstoffwechselstörungen zählen in den westlichen Industrieländern zu den häufigsten Risikofaktoren für die Enstehung von Herz-Kreislauf- und Gefäßkrankheiten. Die Ursachen hierfür sind nicht selten in den gesundheitsschädlichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zu finden. Kennt man die Risiken, kann man etwas dagegen tun.

Was ist eine Fettstoffwechselstörungen?

Bei einer Fettstoffwechselstörung ist die Fettverarbeitung, der Fetttransport und die Fettherstellung im menschlichen Körper gestört, was meist mit einer Erhöhung der Blutfettwerte einhergeht. Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen Fettherstellung und Fettausscheidung. Sind die Blutfettwerte dauerhaft zu hoch, führt dies zu Veränderungen der Blutgefäße, was das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko stark erhöht. Neben genetischen Ursachen kann eine Fettstoffwechselstörung begleitend zu anderen Grunderkrankungen auftreten. Man unterscheidet zwischen der primären und der sekundären Fettstoffwechselstörung.

Entstehung von Fettstoffwechselstörungen

Im eigentlichen Sinne ist die Fettstoffwechselstörung keine selbstständige Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom von vorhandenen Grunderkrankungen, oder die Begleiterscheinung und Folge eines gesundheitsschädlichen Lebenstils. Blutfette sind lebenswichtige Energielieferanten, welche der Körper selbst bildet, oder, welche wir mit der Nahrung aufnehmen. Die wichtigsten Fette sind Cholesterine und Triglyceride.

Cholesterine:

  • Energielieferant für Muskel- und Fettzellen
  • Wird benötigt für den Aufbau von Nervenzellen
  • Ein Baustein für Zellwände
  • Ist an der Bildung von Cortison und Sexualhormonen beteiligt
  • Beteiligt sich an der Bildung von Stoffen, welche die Herzfunktionen anregen
  • Bildet Gallensäure, welche für die Fettverdauung und Fettausscheidung benötigt wird

Triglyceride:

  • Sind der primäre Energielieferant für Muskel- und Fettzellen

Cholesterine sind genau betrachtet keine Fette, sondern eher Fettbegleitstoffe. Triglyceride hingegen sind das tatsächliche Fett im Blut. Im besten Falle nimmt der Körper über die Nahrung vor allem Triglyceride auf, und Cholesterine werden vom Körper selbst in ausreichendem Maße produziert. Das Cholesterin aus der Nahrung stammt immer nur aus tierischen Lebensmitteln, wie beispielsweise Fleisch oder Eiern. Damit die Fette im Blut zu den benötigsten Zellen gelangen, werden Transporter benötigt, die sogenannten Lipoproteine.

Lipoproteine die Transporter der Blutfette

Wir kennen insgesamt vier Transportproteine, welche sich durch die Höhe der Anteile an Cholesterinen und Triglyceriden unterscheiden. Das sind die Chylomikronen, VLDL, HDL und LDL. Die wichtigsten Transportproteine für Choelsterine sind HDL und LDL, welche durch Untersuchungen des Blutes im Labor gemessen werden können.

HDL

  • HDL wird im Allgemeinen als das „gute Blutfett“ bezeichnet, da es die Blutfettwerte senkt und damit eine Schädigung der Gefäße, auf Grund zu hoher Blutfette, verhindert. Die HDL-Proteine transportieren die Cholesterine aus den Zellen und Körpergeweben zurück zur Leber, welche dieses weiterverarbeitet, damit es dann letztlich über den Darm ausgeschieden werden kann.

LDL

  • Die LDL-Proteine transportieren den überwiegenden Teil des Cholesterins von der Leber zu den Muskel- und Fettzellen, und zu den Zellen des Immunsystems. Sie werden gemeinhin als das „schlechte Blutfett“ bezeichnet, da ein zu hoher Anteil an LDL-Proteinen im Blut zu den gefürchteten Ablagerungen in den Blutgefäßen führen kann.

Beachte: Zu den wesentlich größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und Gefäßkrankheiten, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, gehören neben dem Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Übergewicht, Bluhochdruck und Diabetes, auch hohe LDL-Cholesterin- und Triglyceridwerte.

Primäre Fettstoffwechselstörung

Die primäre Fettstoffwechselstörung ist genetisch bedingt, wobei nicht alle Patienten mit einer genetischen Vorbelastung zwangsläufig eine Störung des Fettstoffwechsels haben. Es gibt einige charakteristische Verbindungen zwischen genetisch ursächlicher Fettstoffwechselstörung, und anderen Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Gefäße. Man kennt in der Medizin fünf verschiedene Typen genetisch bedingter Fettstoffwechselstörungen, welche familiär gehäuft aufteten können. Aber auch hier spielen Ernährung und Lebensstil eine wesentliche Rolle.

Sekundäre Fettstoffwechselstörung

Den Anteil an sekundären Fettstoffwechelstörungen kann man nur schätzen, da der Übergang von primärer zu sekundärer Fettstoffwechselstörung fließend ist. Er liegt bei etwa 20 bis 40 Prozent. Sekundäre Fettstoffwechselstörungen gehen nicht selten mit folgenden Grunderkrankungen einher:

  • Diabetes
  • Falsche Ernährung, zu fett- und kalorieneiche Kost, zu wenig Balaststoffe
  • Zu wenig körperliche Bewegung
  • Übergewicht, Adipositas
  • Anhaltender Stress, dauerhaft mangelnder Schlaf und fehlende Erhohlung
  • Bluthochdruck, Medikamente (Cortison, Blutdrucksenkende Medikamente)
  • Alkoholmissbrauch
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Erkrankungen der Niere

Auch wenn die primären und die sekundären Fettstoffwechselstörung unterschiedliche Ursachen haben, so führen doch beide zu den gleichen körperlichen Veränderungen und Folgeerkrankungen. Signifikant lässt sich sagen, dass die primäre Fettstoffwechselstörung meist eine Cholesterinerhöhung aufweist. Die sekundäre Fettstoffwechselstörung bewirkt meist eine Triglycerinerhöhung.

Angeborene Fettstoffwechselstörung

Es gibt die leichte Form (cira jeder 5oo.) und die schwere, aber selten auftetende (circa 1:1 Mio.) Fettstoffwechselstörung. Bei der schweren Form der angeborenen Fettstoffwechselstörung zeigen sich bereits im Kindesalter Symtome, wie Fettablagerungen in der Haut, und Gefäßverkalkungen. Bei der schweren Form ist eine medizinische Betreuung und regelmäßige Kontrolle der Gefäße besonders wichtig.

Möglichkeiten den Fettstoffwechsel günstig zu beeinflussen

Fettstoffwechselstörungen an sich machen erst einmal keine Beschwerden. Das Gefährliche daran sind die daraus entstehenden Folgeerkrankungen. Es besteht zweifelsfrei ein Zusammenhang zwischen erhöhten Blutfettwerten und Gefäßkrankheiten. Das Positive ist, dass man in vielen Fällen selbst einiges tun kann um die Blutfettwerte zu senken, denn die Ernährung und der Lebensstil spielen dabei eine wesentliche Rolle.

  • Ernährung: Mit der richtigen Ernährung lässt sich eine Menge regulieren. Vor allem tierisches Fett bewirkt einen direkten Anstieg des Cholesterins. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren hingegen bewirken eine Senkung des Cholesterinwertes.
  • Sport und körperliche Bewegung jeder Art. Regelmäßige sportliche Betätigung lässt vor allem die Triglycerinwerte deutlich absinken. Die Cholesterinwerte werden insoweit positiv beeinflusst, da durch die körperliche Bewegung die HDL-Cholesterinwerte – also die Transportproteine steigen. Diese sorgen wiederum für den Abtransport und das Ausscheiden des Cholesterins. Umso regelmäßiger Sport betrieben wird, je besser die Blutfettwerte.
  • Starker Kaffeekonsum lässt den Cholesterinspiegel ansteigen, da Koffein die körpereigene Cholesterinproduktion anregt. Kaffeegenuss in Maßen wirkt sich dagegen nicht schädlich aus.
  • Minderung des Alkoholkonsum
  • Aufhören mit Rauchen
  • Abbau von Übergewicht
  • Dauerhaften Stress vermeiden

Auch wenn man es nicht schafft alle Ursachen, welche eine Fettstoffwechselstörung begünstigen sofort zu beseitigen, so senkt doch jede Einzelne für sich das Gesamtrisiko an den schweren Folgekrankheiten zu erkranken.

Ernährungsempfehlungen bei Fettstoffwechselstörungen

Lebensmittelempfehlung
Die Wahl der Lebensmittel ist essentiell wichtig (Bild: geralt – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Menschen mit einer Fettstoffwechselstörung, sollten besonderen Wert auf die Auswahl ihrer Lebensmittel legen. Zur Orientierung hat die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen (DGFF (Lipid-Liga) e.V.) und ihren Folgeerkrankungen eine Ernährungsempfehlung mit den besten Lebensmitteln zusammengestellt.

Getreideprodukte

Bevorzugt essen:

  • Vollkornbrot, Vollkornbrötchen (fein geschrotet), Pumpernickel
  • Ballaststoffreiches Knäckebrot, Vollkornmüsli ohne Zuckerzusätze
  • Vollkorngetreideflocken (z.Bsp. Haferflocken), Weizenkeime

Nur in Maßen genießen:

  • Instant Haferflocken
  • Vollkorntoast
  • Cornflakes (ungezuckert)

Am besten ganz verzichten:

  • Brötchen, Baguette, Weißbrot, Toastbrot
  • Fertigmüsli mit Zuckerzusatz, Cornflakes, Pops und dergleichen
  • Kuchen, Waffeln, Croissants, Gebäck, Kekse

Milchprodukte und Eier

Bevorzugt essen:

  • Fettreduzierte Mich und Milchprodukte ohne Zuckerzusätze, Magerquark, Magerjoghurt
  • Fettarme Käsesorten mit weniger als 30 % i.Tr., z. Bsp. Frischkäse mit 20 % Fett i.Tr.
  • Buttermilch, Milch und Joghurt mit pflanzlichen Sterolen/Stanolen

Nur in Maßen genießen:

  • Käsesorten mit weniger als 45 % Fett i.Tr.
  • Vollmilch
  • Eiweiß/Eiklar

Am besten ganz verzichten:

  • Majonaise, Sahne, Creme fraiche, Kondesmilch
  • Fettreiche Käsesorten mit mehr als 45 % i.Tr.
  • Fruchtjoghurt mit Zuckerzusätzen, Eigelb

Fleisch und Wurstwaren

Bevorzugt essen:

  • Putenbrust, Geflügel ohne Haut
  • Mageres Rindfleisch
  • gekochter Schinken ohne Fettrand

Nur in Maßen genießen:

  • Geflügel mit Haut
  • Mageres Schweinefleisch z. Bsp. magere Schweinshaxe
  • Fettreduzierte Wurst

Am besten ganz verzichten:

  • Fettreiche Wurstsorten wie Salami, Leberwurst, Mettwurst
  • Panierte Schnitzel, Frikadellen
  • Pasteten, fettreiche Fleisch- und Geflügelaufstriche

Fisch und Meeresfrüchte

Bevorzugt essen:

  • Alle Fischarten – nicht paniert, vor allem Lachs, Makrele, Hering

Nur in Maßen genießen:

  • Alle Fischarten – paniert
  • Fischkonserven
  • Fischfertiggerichte

Gemüse

Bevorzugt essen:

  • Artischokken, Auberginen, Blattsalat, Brokkoli, Blumenkohl, Kürbis, Zwiebeln, Zucchini, Rote Beete, Spinat
  • Alle Hülsenfrüchte wie z. Bsp. Bohnen, Linsen, Erbsen, Schoten
  • Rettiche, Radieschen, Gurken, Tomaten, Paprika

Nur in Maßen genießen:

  • Avocado,Tiefkühl-Gemüseprodukte mit Butter oder Sahne, Rahmspinat
  • Gemüsekonserven

Obst

Bevorzugt essen:

  • Alle Obstsorten am besten frisch oder tiefgefroren: Äpfel, Aprikosen, Ananas, Birnen, Bananen, Beeren, Grapefruit, Pfalumen, Pfirsische, Kirschen, Kiwis, Mandarinen, Orangen, Mangos, Weintrauben, Melonen uwm.

Nur in Maßen genießen:

  • Trockenfrüchte z. Bsp. Rosinen, Feigen, Datteln
  • Ungesüßte Obstkonserven

Am besten ganz verzichten:

  • Gesüßte Obskonserven
  • Kandierte Früchte

Beilagen

Bevorzugt essen:

  • Vollkornnudeln, Pasta und Couscous aus Hartweizen
  • Gekochte Kartoffeln, Folienkartoffeln
  • Vollkornreis, Wildreis, Parboiled-Reis, geschälter Reis

Nur in Maßen genießen:

  • Eiernudeln, Nudeln aus hellen Mehl,
  • Kartoffelpüree, Kartoffelknödel

Am besten ganz verzichten:

  • Pommes frites, Bratkartoffeln, Kroketten, Kartoffelgratin

Fette und Öle

Bevorzugt essen:

  • Ghee, Margarine mit pflanzlichen Sterolen/Stanolen
  • Olivenöl, Rapsöl, Leinöl

Nur in Maßen genießen:

  • Margarine mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren (ohne gehärtetes Fett)
  • Andere Pflanzenöle wie z. Bsp. Kürbiskernöl

Am besten ganz verzichten:

  • Margarine mit gehärteten Fett, Butter
  • Kokosfett
  • Speck, tierisches Schmalz

Würzmittel und Pikantes, Zucker und Süßigkeiten

Bevorzugt essen:

  • Alle Gewürze
  • Alle Küchenkräuter frisch und tiefgefroren
  • Fruchtaufstriche z. Bsp. Pflaumenmus (ohne Zuckezusätze)

Nur in Maßen genießen:

  • Senf, Essig, Marinaden
  • Marmelade, Konfitüre, Honig, Ahornsirup, Fruchtzucker, Süßstoffe
  • Schokolade mit mehr als 70 % Kakaoanteil

Am besten ganz verzichten:

  • Kartoffelchips, Salzstangen, Salzgebäck,
  • Traubenzucker, Haushaltzucker,
  • Pralinen, Vollmilchschokolade, Bonbons, Gummibärchen, Eis, Nuss-Nougat-Creme

Nüsse und Ölsaaten

Bevorzugt essen:

  • Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse
  • Leinsamen

Nur in Maßen genießen:

  • Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne
  • Sesamsaat
  • Erdnüsse

Getränke

Bevorzugt trinken:

  • Wasser und Mineralwasser ohne Zusätze
  • Fruchtsaftschorle ohner Zuckerzusätze
  • Schwarzer Tee, grüner Tee, sämtliche Kräuter- und Früchtetees

Nur in Maßen genießen:

  • Kaffee mit Milch oder Sahne
  • Fruchtsäfte, Gemüsesäfte, Fruchtsaftnektar
  • Wein, Bier, Hefeweizen, Malzbier

Am besten ganz verzichten:

  • Cola und Limonaden
  • Gesüßter Eistee
  • Energy Drinks

Auch heute hat noch Gültigkeit was der griechische Arzt Hippokrates sagte: „Eure Nahrung soll Euer Heilmittel sein, Euer Heilmittel soll Eure Nahrung sein.“ Schon er wußte, vor hunderten von Jahren, welchen Einfluß die Nahrung auf unsere Gesundheit hat.

Prävention

Mit einem gesunden Lebensstil, maßvoller Ernährung mit natürlichen, frischen Lebensmitteln und regelmäßiger Bewegung lässt sich das Risiko einer Fettstoffwechselstörung ganz erheblich reduzieren. Die Lebensführung in den westlichen Industrienationen ist nicht selten die Ursache für die Enstehung von Fettstoffwechselstörungen und ihren dramatischen Folgen für die Gesundheit.

Da eine Fettstoffwechselstörung selbst keine Beschwerden macht, bleibt sie oft jahrelang unbemerkt. Ab dem 35. Lebensjahr steht allen privat und gesetzlich Krankenversicherten eine Check-up Untersuchung zu, in dessen Rahmen auch die Blutfettwerte kontrolliert werden sollten.

Je früher eine Fettstoffwechselstörung erkannt wird, desto schneller und effektiver können sie Gegenmaßnahmen ergreifen, und Folgekrankheiten sowie Komplikationen vermeiden.

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Über Redaktion 42 Artikel
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