Farben: Die Wirkung von Farben auf die Psyche

Der Einfluß von Farben auf Kreativität, Wohlbefinden und Gesundheit

Farben
Das Auge sendet visuelle Reize ans Gehirn (Bild: Skitterphoto – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Besitzen Farben eine psychologische Wirkung?

Farben haben zweifellos einen großen Effekt auf unser Wohlbefinden. Sie beeinflussen Emotionen positiv wie negativ; fördern die Konzentration oder lenken uns ab. Farben sollen die Kommunikation und das Denken stimulieren, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Landläufig gilt:

  • ROT als begeisternd
  • GRÜN als zuverlässig
  • GELB als freundlich
  • BLAU als besonnen
Doch warum hat jeder Mensch seine ganz eigene Lieblingsfarbe und warum richten wir unsere Wohnung anders ein, als unser Büro?

Wie entstehen eigentlich Farben?

Natürlich kennen wir noch die Farbspektren aus dem Schulfach der Physik und wissen, dass sie mit dem Wellenspektrum des Lichtes zusammenhängen. Weißes Licht beinhaltet alle Spektralfarben, die wir mit dem Prisma wieder in die wunderschönen Regenbogenfarben zerlegen können. Doch wir vermögen einen Gegenstand erst dann zu sehen, wenn Licht darauf trifft.

Farben
Abstraktes Licht-Wellenspektrum (Bild: geralt – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Jeder Körper absorbiert einen Teil der Licht-Wellenlängen und nur die, die reflektiert werden (Absorptionsspektrum), können wir als Farben erkennen und differenzieren. Da jede Farbe ein anderes Wellenspektrum abdeckt, besitzt sie unterschiedliche Schwingungen. Diese werden nicht nur von den Augen, sondern auch von der Haut wahrgenommenen und finden als Nervenimpulse ihren Weg zum Gehirn. Sie wirken also weitaus komplexer auf unseren Körper, als uns bewusst ist.

Warum reagieren wir auf verschiedene Farben unterschiedlich?

Die optische Aufnahme von Farben erfolgt durch die Augen, und zwar mit auf der Netzhaut liegenden Rezeptoren. In ihnen entsteht ein visueller Reiz, der an das Gehirn weitergeleitet wird. Dort wird dieser verarbeitet und mit gespeicherten Daten verglichen. Wie wir auf eine Farbe reagieren, hängt davon ab, was unser Erbgut an Informationen über die jeweilige Farbe besitzt und welche ganz individuellen Erfahrungen bzw. Emotionen wir damit verknüpfen. Hinzu kommt noch die der Farbe anhaftende Symbolik, die wir aus Erzählungen oder Geschichtsbüchern kennen.

Farben
Farben sind u.a. mit individuellen Erfahrungen verknüpft (Bild: bykst – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Aber auch gesellschaftliche Manipulationen, mit denen durch Farbtrends beispielsweise Mode, Stil und Lebensgefühl beeinflusst werden, prägen unser Farbempfinden. Durch Bücher, Schule und Religion verbinden wir Elemente unserer Kultur und bestimmter Traditionen mit definierten Farben. Die Farben der Trauer und Würde sind in Europa traditionell Schwarz und Grau, in Indien dagegen Weiß. Schon in der Antike galt Weiß als Gut und Schwarz als Böse. Grün stand für Hoffnung, Rot für Gefahr. Im europäischen Mittelalter wurde Gelb zum Zeichen der Geächteten. Rot trug früher der Scharfrichter.

Wir verbinden Farben mit Eigenschaften und Erfahrungen

Ein treuer Bayernfan erscheint heutzutage zum Fußball in Blau-Weiß-Rot; ein echter Holländer in Orange. Wie wir die einzelnen Farben verknüpfen, erfolgt überwiegend erfahrungsspezifisch. Denn wir haben gelernt, dass bestimmte Dinge eine charakteristische Farbe haben. Eine Zitrone ist gelb, frische Blätter sind grün, Holz ist braun, Feuerglut ist rot. So kommt es, dass wir bewusst oder unbewusst Farben bestimmte Eigenschaften zuschreiben.

Warum wir unbewusst die richtigen Farben wählen

Meine Tochter liebt Blau, ich Dunkelgrün. Kein Wunder denn, laut unserer Kosmetikerin bin ich ein Herbsttyp, aber Lisa mit ihren dunkelblonden Haaren, der hellen Haut und den graugrünen Augen, eher der Sommertyp. Warme Farben lassen ihren Teint fahl wirken. Für sie sind also die kühlen Farbtöne und für mich die warmen Farbtöne geeigneter. Unsere Lieblingsfarben sind demnach genau so, wie es der Farbratgeber empfiehlt. Das ist kein Zufall, denn die meisten von uns wollen in ihrem Lieblingsoutfit besonders gut aussehen.

Farben
Unbewusst wählen wir die passenden Farben (Bild: AdinaVoicu – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Außerdem senden wir mit den Farben der Kleidung, Signale an unsere Umwelt, und zwar unabhängig vom aktuellen Modetrend. Das tun wir, um entweder Aufmerksamkeit (z.B. die eines potentiellen Partners) zu erringen, oder um ein Statement über unsere Lebenseinstellung abzugeben. So wie wir uns gerade fühlen oder fühlen wollen, wählen wir offenbar die Farben unserer Kleidungsstücke beziehungsweise Umgebung.

Die optimale Farbe – eine reine Geschmacksfrage?

Ich zum Beispiel arbeite am liebsten in hellen Räumen mit viel frischen Grün an den Wänden. Mein Schreibtisch steht direkt am Fenster, auf dem Fensterbrett ein Roseneibisch mit dunkelroten Blüten im knallroten Blumentopf. Meine Ruhezone, die mit dem Schaukelstuhl und dem großen Bücherregal, gestaltete ich jedoch mit rot-braunen Tönen und reichlich Dunkelgrün.

Farbe
Farben haben Einfluß auf unsere Kreativität und Wohlbefinden (Bild: Pexels – Pixabay.com – CC0 Public Domain)

Meine Tochter hat sich für ihr Jugendzimmer orange Tapete ausgesucht, dazu lila Stühle und einen gelben Schreibtisch. Nie im Leben hätte ich geglaubt, dass das zusammen passt. Doch hier malt und bastelt sie am liebsten; komponiert die irrsten Klavierstücke. Wichtige Schularbeiten erledigt sie dann aber bei mir im Arbeitszimmer. Hier könne sie einfach logischer denken, sagt sie.

Was Farben über die Psyche verraten können

Im Allgemeinen schreibt man den einzelnen Farben, folgende Signale zu:

  • WEISS = rein, leicht
  • GRAU = unauffällig, heimlich, unfreundlich
  • ROT = kräftig, stark erregend, erwärmend, extrem
  • ORANGE = exotisch, anregend, lebhaft, fröhlich, geschäftig
  • GELB = stolz, stimulierend, extrovertiert, aufdringlich
  • GRÜN = frisch, beruhigend, freundlich, natürlich, gesund, jung
  • BLAU = kalt, beruhigend, friedlich, ernsthaft, sehnsüchtig
  • VIOLETT = introvertiert, statisch, extravagant, melancholisch
  • BRAUN = warm, gemütlich
  • SCHWARZ = geheimnisvoll, schwer, feierlich, ernst, verschlossen
Es gibt eine Theorie, die besagt, dass die Farben, die wir wählen, unseren inneren Zustand zeigen bzw. welche Farbe nötig ist, Ausgeglichenheit zu erlangen. Demnach greifen wir in bestimmten Situationen offenbar unbewusst nach den Farben, deren Energie uns fehlt. Wir kaufen plötzlich eine rote Rose, bekommen Appetit auf eine grüne Gurke, haben Lust auf das gelbe Kleid und die schwarze Tasche. Ist der Energiehaushalt ausgeglichen, fühlen wir uns wohl. Doch manchmal wollen wir einfach nur schlanker in Schwarz aussehen oder zwischen den schwarz-gelben Fans nicht auffallen.

Psychologische Wirkung der Farben auf unsere Gesundheit

Bedenkt man, dass Farben unter anderem durch ihre spezifische Wellenlänge definiert sind, erscheint es durchaus logisch, dass sie als Energieträger fungieren und uns mit dem fehlenden Spektrum versorgen können. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass Farben genauso gut Energie entziehen könnten. Tatsächlich sollen Studien gezeigt haben, dass das viele WEISS in Krankenhäusern bei Patienten unterbewussten Stress auslöst.

Farben
Helle sterile Einheitsfarben saugen Energie auf (Bild: Unsplash – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Helle Einheitsfarben wirken steril und vermitteln eine inhaltliche Leere. Dieser ungewollte Energieentzug kann unter Umständen den Genesungsprozeß negativ beeinflussen. In anderen Studien sollen folgende Feststellungen bezüglich Farben herausgearbeitet wurden sein:

  • ROT stimuliert uns wie kaum eine andere der Farben. Das Nervensystem produziert verstärkt Adrenalin und lässt den Blutdruck ansteigen. Das Herz pumpt schneller und wir atmen kürzer.
  • ORANGE soll das Nervensystem stärken und somit helfen, Stress zu bewältigen.
  • GELB verursacht gute Laune. Menschen werden in Gelb gehaltenen Räumen gesprächiger und kontaktfreudiger. Ältere Menschen entwickeln in einer gelben Umgebung größere geistige Vitalität und besseres Reaktionsvermögen.
  • GRÜN hilft die Konzentration und das Denken zu aktivieren. Studenten, die im Grünen lernten, erzielten bei anschließenden Prüfungen bessere Erfolge.
  • BLAU bremst die Adrenalin-Ausschüttung. Der Puls verlangsamt sich, die Muskeln entspannen und entkrampfen.
  • BRAUN kann Sicherheit und Zufriedenheit vermitteln.

Wie finde ich meine Wohlfühl-Farben?

Am besten an einem günstigen Tag intuitiv handeln und ‚Probe-‚ oder Online- shoppen gehen, ohne etwas zu kaufen. Sind die Farben beim dritten oder vierten Mal noch immer die gleichen, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit die richtige Wahl. Das gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch für die Einrichtung. Leider kann man sich nicht jeden Monat ein neues Möbeloutfit leisten, nur weil die Grundstimmung anders ist. Wer also beim Möbelkauf seiner Intuition nicht traut, sollte ruhig einige Tests durchführen. Umgeben Sie je eine Woche lang Ihren Entspannungsplatz mit blauen, billigen Dekostoff und Accessoires.

Farben
Testen Sie aus, welche Farbtöne Ihr Wohlgefühl stärken (Bild: stux – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Besorgen Sie sich einen preiswerten LED Strahler mit Farbwechsler und stellen Sie ihn auf Blau. Die folgende Woche versuchen Sie es mit Grün. Wer das Glück hat, seine Arbeitsstätte selbst mitgestalten zu können oder in Homeoffice arbeitet, der kann das auch an seinem Arbeitsplatz tun; z.B. mit roten Ordnern, Blumentöpfen oder sonstigen Kram in Rot. Eine rote Schreibtischunterlage, ein paar rote Plakate usw. Die Woche darauf versuchen Sie es mit Grün oder Blau, vielleicht auch Gelb. Die Umgebung, in der Sie am besten relaxen bzw. arbeiten können, wird entscheidend für den Grundton Ihrer Wohlfühlecke oder des Arbeitszimmers.
Farben
Der Farbkreis kann eine Entscheidungshilfe sein (Bild: PeteLinforth – Pixabay.com – CC0 Public Domain)
Kombinieren Sie dann Ihre Lieblingsfarben und setzten Sie Akzente mit den Komplementärfarben (liegen im Farbkreis gegenüber). Wer klassisch im Büro arbeitet, muss diese Experimente natürlich mit dem Chef oder den Kollegen abstimmen. Sofern solche Aktionen im Rahmen bleiben und man sachlich über die Vorteile argumentiert, kann man mit verhältnismäßig wenig Aufwand eine arbeitsfreundlichere Atmosphäre schaffen.

Für die Nutzung unseres Online-Portals informieren Sie sich bitte über die Nutzungsbedingungen.

3 Kommentare

  1. Großes Kompliment, ein klasse Artikel. Ich lese schon länger Ihr Magazin und finde die Themenauswahl und die Qualität der Beiträge sehr gelungen.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*